Pressemitteilung vom 6. April 1999

"Hier geht es um Ökumene an der Basis"

Professor Baumert: Anbetung Gottes und gemeinsames Hören / Charismatiker in Nürnberg: "Jesus neu begegnen als (s)ein Volk für das Reich Gottes" / 450 Millionen Charismatiker und Pfingstler weltweit / Pfarrer Friedrich Aschoff: "Kirchenwachstum im Ausland wird hierzulande nicht wahrgenommen"

Wie vermutlich keine andere ökumenische Bewegung in der Welt, beruht die der charismatischen und pfingstlichen Christen auf einer gemeinsamen neuen Erfahrung mit dem Heiligen Geist. Das soll auf dem Kongreß "Jesus 2000" vom 13. - 16. Mai in Nürnberg deutlich gemacht werden. Das Miteinander der Christen der verschiedenen Kirchen auf dem Nürnberger Kongreß, ist nicht Ergebnis eines theologischen Dialogs sondern einer gemeinsamen Frömmigkeit. "Man erkennt sich gegenseitig an der neuen Art des Geistwirkens", meint Theologieprofessor Norbert Baumert (Frankfurt). "Anbetung Gottes und gemeinsames Hören auf den Heiligen Geist in Loyalität zu der jeweiligen Kirche oder kirchlichen Gemeinschaft sind die Grundhaltungen, welche diesen Zweig der Ökumene tragen", so Baumert. Er ist Leiter des Theologischen Ausschusses der Charismatischen Erneuerung in der katholischen Kirche in Deutschland (CE) und Professor für neutestamentliche Theologie an der katholischen philosophisch-theologischen Hochschule St. Georgen (Frankfurt).

"Hier geht es um Ökumene an der Basis", unterstreicht Pfarrer Friedrich Aschoff, Mitglied im Leitungskreis des Kongresses "Jesus 2000". Aschoff ist zugleich Vorsitzender der "Geistlichen Gemeinde-Erneuerung in der Evangelischen Kirche in Deutschland (GGE)", der charismatischen Bewegung in der evangelischen Kirche. Der Kongreß in Nürnberg ist das erste Treffen von Christen aus dem gesamten Spektrum der charismatisch-pfingstlichen Bewegung und damit "ein Zeichen der Einheit".

In Deutschland werde, so Aschoff, die Dynamik des charismatisch-pfingstlichen Aufbruches völlig unterschätzt. "Viele Kirchen in der Welt, besonders in Ländern der sogenannten Dritten Welt, erleben ein immenses Wachstum, das oft auf charismatische und pfingstliche Aufbrüche zurückgeht. Aus deutscher Perspektive ist das kaum vorstellbar und wird in der kirchlichen Presse hierzulande nicht wahrgenommen." Insgesamt schätzt man die Zahl der charismatischen und pfingstlichen Christen weltweit auf 450 Millionen Christen. Darunter etwa 90 Millionen Katholiken, das entspricht einem Prozentsatz von etwa 10 Prozent innerhalb der katholischen Kirche. In Deutschland schätzt man die Zahl der Christen, die sich zum pfingstlich-charismatischen Spektrum rechnen, auf etwa 250 000.

Das Spektrum der Christen, die sich weltweit der charismatisch-pfingstlichen Bewegung zurechnen ist breit: Es reicht von den traditionellen Kirchen, evangelisch und römisch-katholisch, bis hin zu anglikanischen Kirchen, den traditionellen Freikirchen, den freien Gemeinden und dem großen Strang der Pfingstgemeinden, die sich seit Beginn des Jahrhunderts ausbreiten.

Heute schaut die charismatische Bewegung auf 35 Jahre der Ökumene zurück: 1965 kam es nach der Gründung eines ökumenischen Ausschusses zum 1. Königsteiner Treffen. Auch in den Folgejahren gab es solche Treffen, die als "Ökumenische Kirchentage" bezeichnet wurden. Eine besondere Zäsur stellte die Einrichtung des "Kreises charismatischer Leiter" im Jahr 1993 dar. Hier entstand ein Kreis von Leiterinnen und Leitern aus dem gesamten Spektrum der charismatisch-pfingstlichen Bewegung. "Hier begegnen wir uns nicht als Repräsentanten von Kirchen und Werken, sondern als Geschwister, die sich gemeinsam austauschen und beten. Es geht um ein Miteinander, das auf Beziehungen untereinander und der Erfahrung des Heiligen Geistes beruht", meint Aschoff. Das sei die Mitte des Kongresses in Nürnberg.

Vor diesem Hintergrund erklärt sich die breite Palette von Themen und Workshops auf dem Kongreß in Nürnberg: Das Evangelium den Armen / Gemeindepflanzung und Gemeinschaftsbau / Das politische Gebet / Der biblische Auftrag der Heilung / Zerbrochene sexuelle Identität / Familie 2000. Was kommt auf uns zu? / Neue Köpfe braucht das Land / Berufung zur Einheit / Gottes Berufung, sowie zu verschiedenen Themen der Medienarbeit. Von charismatischen Konferenzen erwartet man vor allem Themen wie "Gaben des Geistes" und "Leben im Heiligen Geist". In Nürnberg ist die Themenpalette der 29 Workshops und 11 Plenumsveranstaltungen breiter angelegt.

"Jesus 2000" ist ein Kongreß für Charismatiker jeder Kirche und jeden Alters, betonen die Veranstalter. Neben dem Hauptkongreß gibt es den großen Jugendkongreß unter dem Slogan "Vollkorrekt" und einen eigenen Kongreß für Kinder im Alter zwischen 5 und 12 Jahren unter dem Solgan "Voll ins Herz". Der Kongreß schlägt Brücken zwischen Konfessionen, die bis heute keine Abendmahlsgemeinschaft haben. Er zeigt, wie Christen aus der charismatischen Bewegung die Ergänzung des jeweils anderen suchen und achten, eigene Erfahrungen und Erkenntnisse weitergeben und in einem gemeinsamen Forum austauschen.


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